Als Frau alleine unterwegs - Hinreise

Kap Verde : Berichte / Gastbeiträge von Heike Carstensen

[]Donnerstag, den 11. Mai 2000

Ich sitze imZug nach München, Zwischenstation zu meinem großen Urlaubsabenteuer - den Kapverdischen Inseln. Morgen um 11:55h soll mein Flug gehen - und so langsam fange ich an, mich daran zu gewöhnen, daß jetzt mein Urlaub begonnen hat - und daß es wirklich los geht. Bis jetzt habe ich soviel um die Ohren gehabt, daß ich weder Vorfreude noch Angst im Hinblick auf diese Reise entwickeln konnte. Deshalb fühle ich mich auch noch gar nicht bereit: Ich sitze zwar jetzt im Zug, aber eigentlich möchte ich einige ruhige Tage in Bielefeld und ein wenig Zeit, mich auf mein Ziel einzustimmen.

Geplant hatte ich diese Reise schon seit mehr als 6 Monaten: ich hatte mich über das Internet schlau gemacht, hatte einen Reiseführer besorgt - ja sogar Reisepartneranzeigen im Stadtblatt und in der FR aufgegeben. Auf diese Anzeigen meldeten sich auch einige Leute, worüber ich sehr froh war, denn ganz alleine in ein so fremdes Land zu fliegen, davor hatte selbst ich an das Alleinreisen gewöhnte Frau ein wenig Bammel. Über die Anzeigen hatten sich dann auch einige sehr nette Kontakte ergeben, u.a. zu Gabrielle, die, als sie auf meine Anzeige antwortete, gerade von ihrer ersten Kapverdenreise voller Begeisterung zurückgekehrt war und einen weiteren Kurztripp dorthin plante. Gabrielle wurde im Laufe der Zeit für mich zu einer ganz wichtigen Ratgeberin - und schließlich hatte sie wesentlichen Anteil daran, mich für das Alleinreisen zu motivieren - nachdem klar war, daß sich kein Mitreisender finden würde.

Als ich dann im April mit der konkreten Organisation anfing, wurde es auch wirklich langsam Zeit. Ich hatte mich gegen eine organisierte Rundreise entschieden: die wurden nur für 2 Wochen angeboten, und mir schien, daß viel zu wenig Zeit für die einzelnen Inseln blieb. Ich habe mir deshalb meine eigene 3-Wochen-Rundreise zusammengestellt - und dank des großen Engagements des Germania-Reisebüros konnte auch fast alles so umgesetzt werden, wie ich es mir gewünscht hatte.

Ja, und jetzt sitze ich im Zug. Ich werde die Nacht in der Wohnung von Elwira verbringen, die beide unterwegs sind - leider. Aber Elwira hat versprochen, mich bei meiner Ankunft am Flughafen abzuholen: schön!

Dank Elwiras Wegbeschreibung finde ich den Weg von der S-Bahn zur Wohnung. Es ist ein wunderschöner Frühsommerabend. Viele Leute halten mich für ein wenig blöd, eine so weite Reise zu unternehmen - wo es doch jetzt so schön in Deutschland ist.... Ich sitze bis weit in die Nacht auf dem Balkon. Ein kühles Helles und das Rauschen des Flusses sorgen dafür, daß ich mich langsam entspanne - und langsam in Urlaubsstimmung komme.

[]Freitag, den 12. Mai 2000

Ich nehme den Bus zum Flughafen. Wie immer bin ich früh dran und kann deshalb in aller Ruhe einchecken. Es gibt zwar ein wenig Hickhack darüber, wo ich nun mein Visum bekomme - aber das klärt sich alles. Ein Typ sorgt für etwas Aufsehen, weil er seinen Hund mit auf die Kapverden nehmen will - und deshalb allerlei Formalitäten zu erledigen hat. Später erfahre ich, daß er und seine Freundin dorthin ausgewandert sind und in einer Luxussiedlung für Europäer auf Sal leben werden. Beim Einchecken fällt mir auf, daß doch einige Pauschalreisende das Ziel Kapverden anpeilen. Ziemlich früh bekomme ich Kontakt mit Margit. Wenn ich mich schon so fühle, als sei ich Hals über Kopf aufgebrochen: bei Margit ist es wirklich so. Sie wollte eigentlich mit ihrem Freund fliegen - doch der konnte dann nicht - und so hat sie sich wirklich ganz kurzfristig zum Alleinreisen entschlossen. Das Flugzeug ist halb leer - man kann sich breitmachen - oder auf Wanderschaft zu anderen Mitreisenden gehen. Und so mache ich mich auf dem Weg zu Margit. Wir tauschen uns über unsere Reiserouten aus (sie hat wirklich überhaupt nichts vorgebucht) und stellen fest, daß wir wohl beide relativ zeitgleich auf Santo Antao sein werden. Vielleicht sieht man sich ja dort wieder.... Wir sind etwas verspätet abgeflogen - und Margit macht sich Sorgen über ihren Weiterflug. Sie will nämlich noch am selben Tag nach Boa Vista fliegen und fragt sich, ob sie den Flug noch erwischt - und ob ihr noch genug Zeit bleiben wird, Geld zu tauschen (kapverdisches Geld kann man nicht in Deutschland bekommen). [weiter]

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Als Frau alleine unterwegs
© Dezember 2000 / März 2001 Heike Carstensen

Reisträume, der Spezialist für Kapverden Urlaub bedankt sich für diesen Beitrag