Als Frau alleine unterwegs - Sal II

Kap Verde : Berichte / Gastbeiträge von Heike Carstensen

[]Montag, den 29. Mai 2000

Heute geht es nach Sal, quasi in die Endrunde meines Urlaubs. Bei meiner Ankunft auf Sao Nicolau hätte ich nicht gedacht, daß es mir hier doch so gut gefallen würde - und daß es mir so schwer fallen würde, wieder abzureisen. Lidias Bruder hat recht behalten! Irgendwas hat mit der Taxisbestellung hat anscheinend doch nicht funktioniert - es wird im Hotel noch mal hektisch telefoniert - und dann taucht ein Mann mit einem etwas gammeligen Privat-PKW auf, der mich zum Flughafen fährt. Dort treffe ich diesmal keine Mormonen an, sondern zwei Benediktiner-Mönche, die einen älteren und einen jüngeren Amerikaner in ihrem Pickup zum Flughafen gebracht haben. Ich treffe auch wieder den unvermeidlichen Taxifahrer Boris. Eine Flughafenmitarbeiterin schreibt in Schönschrift die 2 Abflüge und die 2 Ankünfte des Tages mit Kreide auf eine Tafel. Dann kommt die Maschine - und nach einem sehr kurzen Flug bin ich wieder auf Sal.
Hier kenne ich mich ja inzwischen aus - und so ist es für mich auch Routine, nach Santa Maria zu kommen - und in der Residencial Alternativa bin ich auch keine Unbekannte mehr. Ich gehe an den Strand - und abends in den "Vulcao". Auch hier erkennt man mich und begrüßt mich freudig. Kaum sitze ich, kommen Bernhard und Sonja rein. Die beiden haben auf Santo Antao auch bei Fatima gewohnt und gehörten zur regelmäßigen Abendessen-Runde. Also muß ich nicht alleine essen - wie schön!

[]Dienstag, den 30. Mai 2000

Beim Frühstück in der Residencial lerne ich ein älteres, in Paris lebendes französchisch-schottisches Paar kennen. Sie ist Schottin - und ziemlich kernig. Die beiden wollen "hiken", was zelten in freier Wildbahn einschließen soll. In erster Linie interessieren sie sich für Santo Antao. Ich habe gehört, daß es wegen des Windes z.T. schwierig sein soll, ein Zelt aufzubauen - und wildes Campen wird angeblich auch nicht immer gern gesehen ... Von Sal sind sie ein wenig angenervt - aber für richtige Hiker ist eine reine Badeinsel wohl auch kein Spaß. Jedenfalls sind sie sehr verwundert, als ich Ihnen erzähle, daß ich Donnerstag von hier fliege - also noch fast 3 Tage hier verbringen will.

Ich beschließe, heute mal den von Gabrielle empfohlenen Weg, den Steinstrand entlang, zu gehen. Ab und an sieht man einige Angler, ansonsten ist die Gegend menschenleer. Der Strand ist ziemlich dreckig: was die Leute nur alles wegwerfen! Ich bin noch nicht weit von Santa Maria weg, da werde ich von den Hikern überholt, die in der Tat eine etwas schärfere Gangart am Leibe haben. Vielleicht wollen sie ja an einem Tag die Insel umrunden. Wundern würde es mich nicht!

Dann tauchen plötzlich zwei streunende Hunde auf. Ich bin ja nicht richtig schissig mit Tieren - aber bei solchen Streunern bin ich vorsichtig. Und so achte ich darauf, daß die Hunde nicht hinter mir sind, daß ich sie immer im Blick habe. Doch sie machen eigentlich weiter nichts, als im Müll rumzuschnüffeln und sich gelegentlich um einen alten Schuh zu balgen. So gewöhne ich mich an die Hunde und akzeptiere sie als meine Begleiter. Irgendwann entschließe ich mich, umzukehren - der landschaftliche Reiz von Sal ist halt sehr begrenzt - und auch die Hunde laufen mit mir zurück. Ich gehe ein wenig von der Küste weg, in die Wüste hinein, um für Carolin ein Tütchen mit echtem Wüstensand zu füllen - versprochen ist versprochen. Der Wüstensand unterscheidet erheblich vom Strandsand: er ist ockergelb und sehr pudrig.

Dann erlebe ich noch ein richtiges Spektakel: Aus dem Nichts tauchen plötzlich zwei Ziegen auf, eine Mutter mit Zicklein. Die Hunde stürzen sich natürlich sofort auf die Ziegen, bedrohen sie und bellen wie verrückt. Sie versuchen sie in die Enge zu treiben, das Muttertier versucht sein Kind zu beschützen. Ich fühle mich hilflos - mit zwei aggressiven, streuenden Hunden möchte ich mich nicht anlegen. Deshalb versuche ich, die Hunde verbal von ihrem Ansinnen abzubringen - doch so ganz haben sie mich wohl nicht als Leittier akzeptiert. Ich will nicht zusehen, wie die Hunde eventuell das Zicklein reißen (gegen das kräftige Muttertier hätten sie keine Chance) und mache mich feige aus dem Staub. Kurze Zeit später höre ich kein Gebell mehr. Ängstlich drehe ich mich um. Die Hunde kommen hinter mir hergejagt, beide Ziegen rennen weg. Welch ein Glück! Was ich mich allerdings frage ist, was die Ziegen auf dieser nahezu vegetationslosen Insel Sal fressen. Einiges Gestrüpp, einige Bodendecker und flechtenartige Gewächse gibt es zwar - doch das kann selbst eine Ziege nicht sättigen!

[]Mittwoch, den 31. Mai 2000

Man merkt, daß morgen die Rückflüge gehen - denn so langsam trudeln sie alle ein. Heute treffe ich Johanna und Michael beim Frühstück in der Residencial. Wir tauschen uns darüber aus, wen wir so alles im Urlaub kennengelernt haben - und wer jetzt wieder hier ist und wer noch erwartet wird: Markus ist da und auch Beate und Klaus.

Ich will heute mit dem Aluguer nach Espargos fahren und von dort weiter nach Pedra de Lume, der alten Saline. Von Espargos erwarte ich nicht viel und meine Erwartungen werden auch nicht enttäuscht: es ist ein ziemlich desolates Kaff. Trotzdem gehe ich durch den Ort - was ziemlich schnell bewerkstelligt ist.

Ich komme an der Pizzeria vorbei, über die Bernhar und Sonja in Ponta do Sol erzählt haben: Sie hatten bei ihrer Ankunft ein Hotel in Espargos gebucht und suchten nun am Abend ein nettes Restaurant. Schließlich landeten sie in dieser Pizzeria, mit inzwischen ziemlich großem Hunger. Mit großem Stolz wurde dann auch bald eine recht große Pizza aus dem Ofen befördert, die allerdings stückchenweise an die Gäste verkauft wurde. Wegen ihres großen Hungers mußten die beiden mehrfach nachbestellen, was unterm Strich ein ziemlich teures Vergnügen wurde.

Ich habe meine Tage bekommen und merke, wie es mir zunehmend schlechter geht. Also nicht nach Pedra de Lume, zurück nach Santa Maria. Doch einen Sinn soll dieser Ausflug wenigstens gehabt haben, weshalb ich beschließe, CDs zu kaufen. Am Ortseingang hatte ich einen Laden gesehen - aber dort, wo ich gerade bin, ist auch einer. Also - warum in die Ferne schweifen? Ich gehe rein, einige kichernde Mädels verlassen gerade den Laden. Hinter dem Ladentisch steht ein etwas mißmutiger Junge. Dem versuche ich zu erklären, daß ich gerne etwas kapverdische Musik mitnehmen möchte, aber keine konkreten Gruppen oder Interpreten nennen kann. Er zeigt auf eine Vitrine mit kapverdischen Künstlern und bedeutet mir, daß ich hieraus wählen kann. Das bringt mich natürlich weiter - und ich frage ihn, ob er mir etwas empfehlen kann. Er guckt mich ziemlich verdutzt an, legt aber dann eine Scheibe auf, die mir sogar gefällt. Ich lasse mir dann noch weitere CDs auflegen - und kaufe schließlich 3 Stück. Auch das checkt der Junge zunächst nicht so richtig - anscheinend verkauft er nicht viel!

Zurück in Santa Maria treffe ich wieder auf Johanna und Michael, auf Beate und Klaus - und die endgültige Endrunde meines Urlaubs ist dann wirklich Strandurlaub pur: baden, in der Sonne liegen, Galao trinken. Abends findet sich ein größeres Grüppchen, und wir gehen in ein Restaurant, wo es leckere Spaghettis mit Thunfisch geben soll. Gibt es auch - und es tut mal wieder gut, Nudeln zu essen! Mit von der Partie sind zwei norddeutsche Mädels. Beide sind etwas schrill - aber witzig und nett. Dann landen wir alle in der Calema-Bar. Doch unser Tatendrang kann heute noch eine weitere Station vertragen, weshalb wir uns auf dem Weg ins "Pirata" machen, der neuen Disco in Santa Maria. Obwohl es inzwischen nach 23.00h ist, ist dort absolut tote Hose. Also gehen wir alle brav in unsere Hotels zurück.

[]Donnerstag, den 1. Juni 2000

Heute heißt es also Abschied nehmen - von Santa Maria, von den Kapverden, vom Urlaub. Johanna, Michael und ich haben den gleichen Rückflug, weshalb wir beschließen, uns gemeinsam ein Taxi zum Flughafen zu nehmen. Ich frage im Hotel, ob man uns ein Taxi organisieren kann - und man sagt es mir zu. Unsere Sachen können wir den Tag über in der Rezeption stehen lassen. Wir dürfen sogar abends noch mal duschen, was nach einem Strandtag ja ganz angenehm ist.

Für den Rückflug hat es jeden Tag eine neue Info gegeben: mal früher, mal später. Es empfiehlt sich wohl, so gegen 22.00h am Flughafen zu sein. Besonders gebeutelt sind die Condor-Passagiere, wie unsere norddeutschen Mädels. Deren Flug ist von Freitag auf Donnerstag vorverlegt worden - doch die Information der einzelnen Fluggäste funktioniert wohl nicht so ganz: wir treffen Condor-Passagiere, die nichts davon wissen!

Nach einem letzten faulen Strandtag gehen Johanna, Michael und ich zu "Mateus" essen, wo es abends Live-Musik gibt. Es fällt uns richtig schwer, uns zu trennen - aber wir müssen zum Flughafen. Als wir zum Hotel kommen, ist zur vereinbarten Zeit kein Taxi da: irgendwas hat nicht geklappt. Ich gehe durch den Ort, um eines "einzufangen" - doch nirgends ist ein Taxi zu sehen. Sehr ungewöhnlich für Santa Maria! Glücklicherweise kommt der Hotelbesitzer, der uns einen Pickup organisiert. Johanna ist so begeistert, daß sie hinten auf der Pritsche sitzen will. Der Fahrer wundert sich, doch läßt ihr ihren Willen. Am Flughafen angekommen, ist sie allerdings ganz schön durchgefroren.

Am Flughafen treffen wir die Condor-Passagiere, die eigentlich schon in der Luft sein sollten. Nun kommen wir fast früher los. Für den Rückflug haben wir eine spanische Chartermaschine, die im Auftrag der TACV unterwegs ist. Die Stewardessen ziehen sich mehrfach während des Fluges um: Kleider zur Begrüßung, andere Klamotten für die Essensausgabe, dann wieder Kleider. Wir haben eine Zwischenlandung in Zürich, wo allerdings nicht nur Passagiere aussteigen. Es steigen auch welche zu, die von Zürich auf die Kapverden fliegen wollen. Die müssen dann zunächst nach München - und von dort geht es dann wieder zurück.

[]Freitag, den 2. Juni 2000

Wir sind gut gelandet, bekommen unser Gepäck recht zügig - und dann taucht plötzlich Elwira auf. Johanna und Michael habe ich in der ganzen Aufregung aus den Augen verloren - und ich habe mich nicht mal richtig von ihnen verabschiedet. Elwira bringt mich in ihre Wohnung nach Erding, wo bei schönstem Sonnenwetter Frühstück auf mich wartet. So langsam komme ich wieder in Europa an, doch dann wird mir ein echter Kulturschock in Aussicht gestellt. Heute abend gehen wir auf ein Feuerwehrfest im Festzelt! [weiter]

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Als Frau alleine unterwegs
© Dezember 2000 / März 2001 Heike Carstensen

Reisträume, der Spezialist für Kapverden Urlaub bedankt sich für diesen Beitrag