Als Frau alleine unterwegs - Sal I

Kap Verde : Berichte / Gastbeiträge von Heike Carstensen

[]Freitag, den 12. Mai 2000 - Sal

Der Anflug auf Sal ist wirklich so, wie ich ihn in einer Beschreibung gelesen habe: Man sieht ein großes braunes Stück Land im azurblauen Meer, den "verbrannten Pfannkuchen". Der Flieger kommt über die Bucht von Santa Maria rein - und die aus der Luft zu sehen, hat wirklich was. Nach der Landung verlieren Margit und ich uns recht schnell aus den Augen. Von der Reiseleiterin bekomme ich einen Zettel mit der Adresse meines Hotels. Sie sagt mir auch, was ein Taxi kostet, wo der Geldwechselautomat ist - und daß ich am nächsten Tag zu ihrer Begrüßungsrunde ins Hotel Bellorizonte kommen kann.

Ich finde den Geldwechselautomaten, an dem ein ziemlicher Andrang herrscht. Doch der Taxifahrer, den ich ganz schnell an meinen Fersen habe, wartet geduldig. Ein kleiner Junge spielt am Automaten den Einweiser: Er zeigt allen, wie es geht und kassiert dafür das Klimpergeld ab - sicher der lohnendste Kinderjob auf Sal - wenn nicht auf den ganzen Kapverden. Der Taxifahrer führt mich zu einem niegelnagelneuen Renault - und ich stelle fest, daß fast alle Taxis Neuwagen und in einem sehr guten Zustand sind. Hätte ich nicht gedacht! Mit dem schönen Auto geht es quer durch die Wüste über eine recht gute, neue Fahrbahn. Santa Maria präsentiert sich recht trostlos: staubige Straßen mit dicht aneinander gereihten, schäbigen Häusern. Vor einem dieser Häuser hält das Taxi: es ist mein Hotel, die "Residencial Alternativa". Ich klingele und eine junge Frau öffnet mir. Ich versuche, mich auf Französisch zu verständigen - und irgendwie funktioniert es auch. Meinen Hotel-Voucher will sie zunächst nicht akzeptieren - und erst als ich ihr klarmache, daß ich keinen anderen Voucher habe, geht sie zu ihrem Chef, der ihr wohl gesagt haben muß, daß alles o.K. ist. Jedenfalls bekomme ich mein Zimmer - einfach, aber sauber und o.K. Im Bad bemerke ich, daß die Klobrille gesprungen ist (eine Beobachtung, die ich später bei fast allen kapverdischen Toiletten machen werde - billiger Kunststoff, der nichts aushält.). Es gibt nur kaltes Wasser - doch da es warm ist, ist auch das kein Problem.

Ich mache mich auf die Socken, um den Ort zu erkunden - und lande bald am Strand, der wirklich kilometerlang und schön ist. Das Wasser hat eine verheißungsvolle Farbe - und ich ärgere mich, daß ich kein Badezeug dabei habe. Auf dem Rückweg zum Hotel verliere ich doch glatt die Orientierung - und das in einem Ort, der nur aus 3 Längsstraßen besteht, die mit vielen Querstraßen verbunden sind. Ich bin halt ein echtes Talent in Orientierungslosigkeit - und wenn noch Müdigkeit und Hunger dazukommen.... Es ist 20:00h Ortszeit - also 23:00h in Deutschland. Kein Wunder, daß ich total fertig bin. Auf der Suche nach einem Restaurant lande ich im "Vulcao de Fogo". Ich bestelle Thunfisch und ein Bier - und als ich mich bemühe, die Bestellung irgendwie portugiesisch hinzubekommen, fragt mich das Mädel, das mich bedient: "Das Bier aus der Flasche oder gezapft?" Ich bin total platt und bestelle ein gezapftes Bier.

[]Samstag, den 13. Mai 2000

Ich habe sehr schlecht geschlafen. Nach dem Frühstück - pappige Brötchen, Marmelade, Orangensaftgetränk und Kaffee - mache ich mich auf den Weg zum Strand. Diesmal habe ich Badezeug dabei - und gehe auch gleich ins Wasser. Der Himmel ist bedeckt - und so merke ich nicht rechtzeitig, wie sehr sich während meines anschließenden Strandspazierganges meine Haut zu röten beginnt. Es gibt nirgends Schatten - und außer einem T-Shirt habe ich nichts zum Überziehen dabei. Also hilft nur nachcremen - und zurückgehen. Unterwegs ist mir ein Mann aufgefallen, der allein in den Dünen hockt. Als er sieht, daß ich umdrehe, kommt er ans Wasser und setzt sich quasi auf meinen Weg, auf eine angespülte Sandkante - splitterfasernackt. Ich beachte ihn nicht weiter - und mache mich auf zum Bellorizonte. Das Bellorizonte ist eines von den nobleren Hotels auf Sal. Die Reiseleiterin ist noch nicht da - und so setze ich mich ins Foyer und beobachte die Leute. Dann kommt die Reiseleiterin - und es findet sich ein Grüppchen von ca. 8 Menschen zusammen, die über Ausflugmöglichkeiten, Segeltörns und örtliche Gegebenheiten informiert werden. Als mich die Segeltörn-Infowünsche zu sehr zu nerven beginnen, mache ich mich vom Acker.

Wieder im Dorf angekommen, setze ich mich auf eine Bank am Platz vor dem Restaurant "Mateus". Dort sitzt eine sehr schwarze Frau mit einem kleinen Kind, und meine Krähe hat ihren ersten Einsatz, der auch auf einem Foto festgehalten wird. Nachdem die Batik- und Kettenverkäufer aus dem Senegal raffen, daß sie bei mir nichts loswerden, werde ich von einem Typen angequatscht, der sich als Micky vorstellt. Er hat - wie so viele andere - ein kleines Radio dabei, an dem er immer wie wild rumkurbelt. Er spricht Englisch - und ist sehr aufdringlich. Immer wieder versucht er, mich anzutatschen - und ist ganz empört, als ich es ihm "verbiete". Er erzählt mir, er sei aus Mindelo, und nach Sal gekommen, nachdem seine Freundin bei einem Autounfall ums Leben gekommen sei. Angeblich erinnere ich ihn an seine Freundin.... Hier arbeitet er in einer Kfz-Werkstatt. Er sagt von sich selbst, er sei "no rich people, but good people" - damit ich mich richtig schlecht fühlen muß, wenn ich ihn "ablehne". Ich könnte ja einfach aufstehen und gehen - doch irgendwie interessiert es mich dann doch, mit ihm zu reden... ist immerhin mein erster Kontakt mit einem Kapverdianer. Doch als er dann immer wieder darauf besteht, mit mir ausgehen zu wollen - und auch das mit dem tatschen einfach nicht sein lassen kann, gehe ich.

Am späteren Nachmittag breche ich zu meinem 2. Ausflug Richtung Strand auf - diesmal mit Hut und Sonnenschutz. Abends treib mich der Hunger ins "Americanos". Dort muß ein ziemlich angetrunkener Micky nach mir gefragt haben. Mit einem Kellner kann ich mich gut auf spanisch verständigen, und er erzählt mir, daß ein Typ - der der Beschreibung nach Micky gewesen sein muß - nach einer dicken Touristin, mit der er verabredet gewesen sei, gefragt habe. Und als die dicke Touristin werde ich gleich identifiziert...!

Als ich ins Hotel zurückkomme, läuft der Fernseher und ein Angestellter (sowas wie der Nachtportier) schaut sich den "Grand Prix Eurovision" an. Es läuft gerade die Punktvergabe - die ich mir dann auch anschaue - und an Thilo, Antje & Klaus in Essen denken muß. [weiter]

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Als Frau alleine unterwegs
© Dezember 2000 / März 2001 Heike Carstensen

Reisträume, der Spezialist für Kapverden Urlaub bedankt sich für diesen Beitrag